Tau-Protein im Stirnhirn stört Tiefschlafwellen und Gedächtnisfestigung
Eine neue Studie zeigt, dass Alzheimer-typische Tau-Ablagerungen im Frontalkortex älterer Menschen mit gestörten Tiefschlafwellen und schlechterer Gedächtnisleistung zusammenhängen.
Forschende der University of California, Berkeley um Omer Sharon haben Schlaf-EEGs von kognitiv gesunden jüngeren und älteren Erwachsenen ausgewertet und dabei einen Zusammenhang zwischen Tau-Ablagerungen im Stirnhirn und der räumlichen Ausbreitung langsamer Tiefschlafwellen gefunden1. Je mehr Tau im Frontalkortex vorhanden war, desto stärker beschränkten sich die Wellen auf lokale, räumlich isolierte Ereignisse1.
Im gesunden Tiefschlaf wandern langsame elektrische Wellen über weite Teile der Hirnrinde, während große Neuronenpopulationen nahezu gleichzeitig ihre Aktivität herunter- und wieder hochfahren1. Bei älteren Studienteilnehmern war diese Ausbreitung im Mittel kürzer und weniger koordiniert als bei jüngeren1. Die Tau-Belastung im Stirnhirn war dabei mit einer besonders geringen Reichweite dieser Wellen verbunden1.
Zusätzlich prüfte das Team mithilfe von Wortpaartests, wie gut neue Inhalte über Nacht im Gedächtnis blieben1. Eine stärkere Tau-Belastung ging auch hier mit schlechterer Gedächtnisfestigung einher1. Ob das Tau die Schlafstörung verursacht oder die Schlafstörung die Tau-Ausbreitung begünstigt, ließ die Studie allerdings offen1.
Quellen
Weiterfragen
- Könnte eine gezielte Verbesserung der Tiefschlafqualität die Tau-Ausbreitung im Gehirn verlangsamen?
- Ab welcher Tau-Menge im Frontalkortex werden die Schlafwellenstörungen klinisch relevant?
- Lassen sich die Befunde auf Patientinnen und Patienten mit bereits diagnostizierter Alzheimer-Erkrankung übertragen?