Stand: Di 15.09. · 06:31
Wissenschaft

Montag, 14. September 2026 · 18:00 Uhr

Debatte um Supernovae und Universumsexpansion geht weiter

Neue Analysen streiten darüber, ob die beschleunigte Expansion des Universums wirklich gesichert ist.

Typ-Ia-Su­per­no­vae gel­ten als wich­tigs­te kos­mi­sche Ent­fer­nungs­mes­ser und sind die Grund­la­ge für den Nach­weis der be­schleu­nig­ten Ex­pan­si­on des Uni­ver­sums1. Eine Stu­die aus dem Jahr 2025 hatte diese Schluss­fol­ge­rung in­fra­ge ge­stellt, weil jün­ge­re Su­per­no­va-Vor­läu­fer nach der Stan­dar­di­sie­rung sys­te­ma­tisch an­ders leuch­ten könn­ten als äl­te­re – ein Ef­fekt, der mit der Ent­fer­nung va­ri­iert und Mes­sun­gen ver­zer­ren würde1.

For­scher der Uni­ver­si­ty of Southamp­ton haben die Daten nun er­neut aus­ge­wer­tet und ver­gli­chen dabei Al­ters­ab­schät­zun­gen der Wirts­ga­la­xi­en mit neu­e­ren Hub­ble-Re­si­du­a­len aus dem Pan­the­on+-Da­ten­satz1. Vor der Kor­rek­tur für Ga­la­xien­mas­se und Aus­wahl­ver­zer­run­gen zeig­te sich ein Al­ters­ef­fekt von rund −0,022 Ma­gni­tu­den pro Mil­li­ar­de Jahre; nach den Kor­rek­tu­ren schrumpf­te die­ser auf sta­tis­tisch nicht si­gni­fi­kan­te −0,007 Ma­gni­tu­den1. Die Schluss­fol­ge­rung lau­tet, dass der frag­li­che Ef­fekt mit üb­li­chen Kor­rek­tu­ren ver­schwin­det und die be­schleu­nig­te Ex­pan­si­on wei­ter­hin Be­stand hat1.

Al­ler­dings wi­der­spricht eine in­zwi­schen ver­öf­fent­lich­te Ge­ge­n­ana­ly­se die­sen Er­geb­nis­sen, so­dass die Me­tho­den­de­bat­te nicht als ab­ge­schlos­sen gel­ten kann1. Im Kern geht es um die Frage, wel­che Kor­rek­tu­ren bei Su­per­no­va-Daten an­ge­mes­sen sind und ob be­kann­te sys­te­ma­ti­sche Ef­fek­te voll­stän­dig er­fasst wer­den1. Die Dis­kus­si­on zeigt, wie sen­si­bel kos­mo­lo­gi­sche Schluss­fol­ge­run­gen auf me­tho­di­sche Ent­schei­dun­gen re­a­gie­ren1.

Par­al­lel dazu gibt es erste sta­tis­ti­sche Hin­wei­se auf den dif­fu­sen Su­per­no­va-Neu­tri­no-Hin­ter­grund, der Neu­tri­nos aus un­zäh­li­gen Stern­ex­plo­si­o­nen der ge­sam­ten Kos­mos­ge­schich­te ver­eint23. Das ja­pa­ni­sche De­tek­tor-Ex­pe­ri­ment Super-Ka­mio­kan­de wer­te­te rund 5.000 Be­ob­ach­tungs­ta­ge aus und fand ein Si­gnal mit einer Si­gni­fi­kanz von 2,6 Sigma – das liegt noch klar unter der üb­li­chen Ent­de­ckungs­schwel­le von fünf Sigma23. Den­noch stimmt die Stär­ke des Si­gnals mit the­o­re­ti­schen Er­war­tun­gen über­ein und könn­te ein neues Fens­ter auf Stern­ent­ste­hung und Ele­ment­bil­dung öff­nen2.