Stand: Mo 21.09. · 06:31
Wissenschaft

Sonntag, 20. September 2026 · 15:00 Uhr

Genanalysen stellen klassisches Bild der Völkerwanderung infrage

Erbgut-Daten zeigen, dass der Untergang Roms nicht allein durch germanische Invasionen erklärt werden kann.

Neue ge­ne­ti­sche Ana­ly­sen stel­len die tra­di­ti­o­nel­le Er­zäh­lung in­fra­ge, wo­nach ger­ma­ni­sche Völ­ker in gro­ßen Wan­de­rungs­be­we­gun­gen das Rö­mi­sche Reich über­rann­ten1. An­hand hun­der­ter Erb­gut-Da­ten­sät­ze re­kon­stru­ier­ten For­scher die Be­völ­ke­rungs­struk­tur jen­seits des rö­mi­schen Limes und fan­den ein kom­ple­xe­res Bild als bis­her an­ge­nom­men1.

Statt einer mas­si­ven, plötz­li­chen In­va­si­on deu­ten die Daten auf all­mäh­li­che­re Be­völ­ke­rungs­be­we­gun­gen und Ver­mi­schun­gen hin, die sich über län­ge­re Zeit­räu­me er­streck­ten1. Damit wi­der­spricht die Stu­die dem po­pu­lä­ren My­thos einer ab­rup­ten „Völ­ker­wan­de­rung“, die den Zer­fall Roms aus­lös­te1.

Die Er­geb­nis­se könn­ten das Ver­ständ­nis vom Ende der An­ti­ke grund­le­gend ver­än­dern, da sie na­he­le­gen, dass in­ne­re Fak­to­ren des Rö­mi­schen Reichs eine grö­ße­re Rolle ge­spielt haben könn­ten als bis­her an­ge­nom­men1.