Stand: Mi 23.09. · 06:31
Automotive

Dienstag, 22. September 2026 · 09:47 Uhr

VW beschleunigt Sparkurs trotz E-Auto-Boom in Werken

Während VW sein Sparprogramm verschärfen will, sorgt eine überraschend hohe Nachfrage nach Elektroautos für mehr Auslastung in Emden und Zwickau, aber weniger Verbrenner-Schichten in Wolfsburg.

Volks­wa­gen will sein Re­struk­tu­rie­rungs­pro­gramm nach ei­ge­nen An­ga­ben deut­lich ver­stär­ken, da die bis­her ver­ein­bar­ten Maß­nah­men aus Sicht der Kon­zern­füh­rung nicht aus­rei­chen1. Mar­ken­chef Tho­mas Schae­fer be­ton­te bei einer Mit­a­r­bei­ter­ver­samm­lung in Wolfs­burg, es blei­be keine Zeit zu ver­lie­ren1. Hin­ter­grund ist eine ge­senk­te Mar­gen­pro­gno­se für 2026 von ur­sprüng­lich 4 bis 5,5 Pro­zent auf nur noch 1 Pro­zent, nach­dem Be­las­tun­gen von rund 10 Mil­li­ar­den Euro etwa durch die Por­sche-Be­tei­li­gung und den chi­ne­si­schen Markt ver­bucht wur­den1. Ins­ge­samt ste­hen kon­zern­weit bis zu 100.000 Stel­len zur De­bat­te, davon 50.000 im Rah­men der be­reits ver­ein­bar­ten Re­struk­tu­rie­rung1.

Par­al­lel zu den Spa­r­plä­nen zeigt sich eine un­er­war­te­te Ent­wick­lung in der Pro­duk­ti­on: Wegen stark stei­gen­der Nach­fra­ge nach Elek­tro­au­tos streicht VW im Stamm­werk Wolfs­burg ge­plan­te Son­der­schich­ten für Ver­bren­ner-Mo­del­le, wo­durch die Jah­res­pro­duk­ti­on bei etwa 580.000 statt der an­ge­streb­ten über 600.000 Fahr­zeu­ge lie­gen dürf­te24. Gleich­zei­tig steigt die Aus­las­tung der rei­nen Elek­tro­wer­ke in Emden und Zwi­ckau, wo Mo­del­le wie der ID.7, der ID.4 be­zie­hungs­wei­se künf­ti­ge ID. Ti­gu­an, der ID.3 Neo und der Audi Q4 e-tron ge­baut wer­den23. Ver­triebs­vor­stand Mar­tin San­der wer­tet dies als einen Wen­de­punkt in der Trans­for­ma­ti­on des Au­to­mo­bil­mark­tes, den er auch auf ge­stie­ge­ne Kraft­stoff­prei­se zu­rück­führt23.

Trotz der po­si­ti­ven Nach­fra­ge­ent­wick­lung bei Elek­tro­au­tos bleibt die Ge­winn­mar­ge pro E-Auto laut Be­richt nied­ri­ger als bei ver­gleich­ba­ren Ver­bren­nern, was die par­al­le­le Spa­rof­fen­si­ve er­klärt2. Ge­werk­schafts­ver­tre­ter kri­ti­sie­ren zu­gleich das Ma­nage­ment: IG-Me­tall-Ver­tre­ter Horst Ott wirft Ma­na­gern vor, mit Ent­wick­lun­gen bei Elek­tro­mo­bi­li­tät und Di­gi­ta­li­sie­rung nicht Schritt ge­hal­ten zu haben, wäh­rend IG-Me­tall-Chefin Chris­ti­a­ne Ben­ner mehr Ver­ant­wor­tung für Stand­ort und Be­schäf­tig­te for­dert1. Laut Bran­chen­ver­band VDA hat die deut­sche Au­to­in­dus­trie seit 2019 be­reits rund 100.000 Stel­len ver­lo­ren, bei Zu­lie­fe­rern waren es fast ein Vier­tel der Be­leg­schaft1.