Dienstag, 22. September 2026 · 09:47 Uhr
VW beschleunigt Sparkurs trotz E-Auto-Boom in Werken
Während VW sein Sparprogramm verschärfen will, sorgt eine überraschend hohe Nachfrage nach Elektroautos für mehr Auslastung in Emden und Zwickau, aber weniger Verbrenner-Schichten in Wolfsburg.
Volkswagen will sein Restrukturierungsprogramm nach eigenen Angaben deutlich verstärken, da die bisher vereinbarten Maßnahmen aus Sicht der Konzernführung nicht ausreichen1. Markenchef Thomas Schaefer betonte bei einer Mitarbeiterversammlung in Wolfsburg, es bleibe keine Zeit zu verlieren1. Hintergrund ist eine gesenkte Margenprognose für 2026 von ursprünglich 4 bis 5,5 Prozent auf nur noch 1 Prozent, nachdem Belastungen von rund 10 Milliarden Euro etwa durch die Porsche-Beteiligung und den chinesischen Markt verbucht wurden1. Insgesamt stehen konzernweit bis zu 100.000 Stellen zur Debatte, davon 50.000 im Rahmen der bereits vereinbarten Restrukturierung1.
Parallel zu den Sparplänen zeigt sich eine unerwartete Entwicklung in der Produktion: Wegen stark steigender Nachfrage nach Elektroautos streicht VW im Stammwerk Wolfsburg geplante Sonderschichten für Verbrenner-Modelle, wodurch die Jahresproduktion bei etwa 580.000 statt der angestrebten über 600.000 Fahrzeuge liegen dürfte24. Gleichzeitig steigt die Auslastung der reinen Elektrowerke in Emden und Zwickau, wo Modelle wie der ID.7, der ID.4 beziehungsweise künftige ID. Tiguan, der ID.3 Neo und der Audi Q4 e-tron gebaut werden23. Vertriebsvorstand Martin Sander wertet dies als einen Wendepunkt in der Transformation des Automobilmarktes, den er auch auf gestiegene Kraftstoffpreise zurückführt23.
Trotz der positiven Nachfrageentwicklung bei Elektroautos bleibt die Gewinnmarge pro E-Auto laut Bericht niedriger als bei vergleichbaren Verbrennern, was die parallele Sparoffensive erklärt2. Gewerkschaftsvertreter kritisieren zugleich das Management: IG-Metall-Vertreter Horst Ott wirft Managern vor, mit Entwicklungen bei Elektromobilität und Digitalisierung nicht Schritt gehalten zu haben, während IG-Metall-Chefin Christiane Benner mehr Verantwortung für Standort und Beschäftigte fordert1. Laut Branchenverband VDA hat die deutsche Autoindustrie seit 2019 bereits rund 100.000 Stellen verloren, bei Zulieferern waren es fast ein Viertel der Belegschaft1.