Stand: So 04.10. · 06:31
Wissenschaft

Samstag, 3. Oktober 2026 · 20:03 Uhr

Studie stellt gängige Theorie zum Wachstum Schwarzer Löcher infrage

Eine Analyse Tausender Scheibengalaxien deutet darauf hin, dass supermassereiche Schwarze Löcher auch ohne Galaxienkollisionen wachsen können.

Neue Be­ob­ach­tungs­da­ten stel­len die bis­he­ri­ge as­tro­phy­si­ka­li­sche Grun­d­an­nah­me in­fra­ge, wo­nach su­per­mas­se­rei­che Schwa­r­ze Lö­cher vor allem durch ge­walt­sa­me Ver­schmel­zun­gen von Ga­la­xi­en an Masse ge­win­nen1. Ein For­schungs­team der Uni­ver­si­ty of Ox­ford um So­phie M. Je­well hat 2.435 Schei­ben­ga­la­xi­en mit ak­ti­ven ga­lak­ti­schen Ker­nen un­ter­sucht und dabei auch Sys­te­me ohne er­kenn­ba­ren Ster­nen­wulst, den so­ge­nann­ten Bulge, ein­be­zo­gen2. Das Er­geb­nis: Selbst bul­ge­lo­se Ga­la­xi­en zei­gen die­sel­be Be­zie­hung zwi­schen der Masse ihres zen­tra­len Schwa­r­zen Lochs und der ge­sam­ten Stern­mas­se wie Ga­la­xi­en mit deut­li­che­rem Zen­tral­wulst2.

Da ein aus­ge­präg­ter Bulge häu­fig als Hin­weis auf frü­he­re große Ver­schmel­zun­gen gilt, spricht sein Feh­len für eine ver­gleichs­wei­se ru­hi­ge Ent­wick­lungs­ge­schich­te die­ser Ga­la­xi­en2. Das Team be­stimm­te die Mas­sen der Schwa­r­zen Lö­cher über die Brei­te und Leucht­kraft der so­ge­nann­ten Hα-Emis­si­ons­li­nie, die Rück­sch­lüs­se auf die Gas­ge­schwin­dig­keit nahe dem Schwa­r­zen Loch er­laubt2. Die For­scher schlie­ßen dar­aus, dass auch lang­sa­me, in­ter­ne Pro­zes­se in­ner­halb einer Ga­la­xie einen er­heb­li­chen An­teil am Wachs­tum sol­cher Schwer­kraft­gi­gan­ten haben kön­nen2.

Ganz aus­schlie­ßen lässt sich eine frü­he­re Kol­li­si­on laut den Stu­di­en­au­to­ren al­ler­dings nicht2. Den­noch wird die neue Er­kennt­nis als mög­li­cher Pa­ra­dig­men­wech­sel für die As­tro­phy­sik be­schrie­ben, da sie das bis­he­ri­ge Bild eines pri­mär durch Kol­li­si­o­nen an­ge­trie­be­nen Wachs­tums re­la­ti­viert1.