Samstag, 3. Oktober 2026 · 20:03 Uhr
Studie stellt gängige Theorie zum Wachstum Schwarzer Löcher infrage
Eine Analyse Tausender Scheibengalaxien deutet darauf hin, dass supermassereiche Schwarze Löcher auch ohne Galaxienkollisionen wachsen können.
Neue Beobachtungsdaten stellen die bisherige astrophysikalische Grundannahme infrage, wonach supermassereiche Schwarze Löcher vor allem durch gewaltsame Verschmelzungen von Galaxien an Masse gewinnen1. Ein Forschungsteam der University of Oxford um Sophie M. Jewell hat 2.435 Scheibengalaxien mit aktiven galaktischen Kernen untersucht und dabei auch Systeme ohne erkennbaren Sternenwulst, den sogenannten Bulge, einbezogen2. Das Ergebnis: Selbst bulgelose Galaxien zeigen dieselbe Beziehung zwischen der Masse ihres zentralen Schwarzen Lochs und der gesamten Sternmasse wie Galaxien mit deutlicherem Zentralwulst2.
Da ein ausgeprägter Bulge häufig als Hinweis auf frühere große Verschmelzungen gilt, spricht sein Fehlen für eine vergleichsweise ruhige Entwicklungsgeschichte dieser Galaxien2. Das Team bestimmte die Massen der Schwarzen Löcher über die Breite und Leuchtkraft der sogenannten Hα-Emissionslinie, die Rückschlüsse auf die Gasgeschwindigkeit nahe dem Schwarzen Loch erlaubt2. Die Forscher schließen daraus, dass auch langsame, interne Prozesse innerhalb einer Galaxie einen erheblichen Anteil am Wachstum solcher Schwerkraftgiganten haben können2.
Ganz ausschließen lässt sich eine frühere Kollision laut den Studienautoren allerdings nicht2. Dennoch wird die neue Erkenntnis als möglicher Paradigmenwechsel für die Astrophysik beschrieben, da sie das bisherige Bild eines primär durch Kollisionen angetriebenen Wachstums relativiert1.